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Die Kuhdamen übernehmen am Stierenmarkt das Zepter

Kühe und weibliche Rinder sind längst in der Überzahl am Stierenmarkt in Kaltbrunn. Sie messen sich dort bei zahlreichen Wettbewerben. Dabei stehlen sie schleichend ihren männlichen Artgenossen die Show.

Linth-Zeitung
Donnerstag, 11. Oktober 2018, 16:31 Uhr Kühe in der Überzahl

von Barbara Schirmer

Ein beeindruckender Stier mit Nasenring stand einsam an der Latte. Es schien, als beobachte er das Marktgeschehen. Da waren Kinder, die ihn und seine neun aufgeführten Artgenossen mit verstohlenem Blick musterten, Erwachsene, die respektvoll vorbeischritten und Kenner, die sich erlaubten, einen prüfenden Blick über seine Erscheinung gleiten zu lassen. Die grosse Menschenmasse aber, die schenkte ihre Aufmerksamkeit den Kühen und Rindern im Ring. Dort fand auch in diesem Jahr der Braunvieh-Betriebscup mit verschiedenen Spezialwettbewerben und die Jungzüchtershow statt.

In fünf Jungzüchterabteilungen galt es, die schönsten Tiere zu bestimmen, damit aus diesen am Nachmittag der Rinderchampion gekürt werden konnte. Diese Aufgabe übernahm die amtierende Braunviehkönigin Patrizia Hobi aus Flums. Als Schaurichterin kam sie zum zweiten Mal zum Zug, ist somit erst am Anfang ihrer Schaurichterkarriere.

Das passte zum Konzept des Jungzüchterwettbewerbs, wo junge Braunviehliebhaber den Kuhnachwuchs präsentieren. Die Jungzüchter nahmen ihre Aufgabe äusserst ernst und führten die von ihnen herausgeputzten Tiere hoch konzentriert vor. Es schien, als wäre Lächeln nur bei der Siegerehrung erlaubt. Als Rinderchampion vom Platz ging Blooming-ET REA, vorgeführt von Tobias Krieg aus Eschenbach.

Spannend wie selten

Grosser Eifer war am Kälbchenwettbewerb herauszuspüren. Achtmal traten Kinder in den Ring, führten stolz ihr geschmücktes Kälbchen und sprachen tapfer ihr Sprüchlein ins Mikrofon. Dabei verrieten sie einiges über den Stammbaum ihres Lieblings und sorgten mit ihren Versen und der einen oder andern Panne für heiteres Lachen rund um den Ring.

Bedeutend ernster ging es am Betriebscup zu und her. Sieben Betriebe brachten die schönsten ihrer Tiere nach Kaltbrunn. Der Schaurichter Andreas Huber aus Unterwasser, der die Kühe beurteilen durfte, war voll des Lobes ob der Schönheiten auf dem Platz. Er liess sich Zeit, auch auf Kleinigkeiten zu achten, und entschied, dass jene Tiere aus dem Stall von Pius Riget aus Schänis mit 0,5 Punkten Vorsprung als Sieger vom Platz gingen. Dicht gefolgt von den Tieren von Hubert Kühne aus Goldingen und jenen von Ruedi Seliner aus Schänis, die eigentlich mit einem Punktegleichstand aufwarteten. Da in diesen Fällen der Milchwert den Stichentscheid macht, konnte Kühne den zweiten Platz belegen.

Der Satz «So spannend war es schon lange nicht mehr» war des Öftern rund um den Ring zu vernehmen. Überhaupt fand ein reges Fachsimpeln statt. Die Entscheidungen der beiden Schaurichter wurden kritisch hinterfragt. Meist mit dem abschliessenden Satz: «Dieses Tier ist wirklich das schönste.» Und während über die Lautsprecher ein drüsiges, lang gezogenes Euter mit perfekt platzierten Strichen vom Profi viel Lob erntete, läuteten im Hintergrund die Kaltbrunner Kirchenglocken. Gleichzeitig lag über dem Geschehen der Mix von Pommes-frites-Öl und Kuhdung – ein fast perfekter Stierenmarkt nahm seinen Lauf.

Wo nur sind die Herren?

Fast perfekt, da kein einziger Stier den Weg in den Ring fand. «Wir haben in diesem Jahr leider keinen Stier da, den wir präsentieren können», erklärte Michaela Schnider-Glarner, Mitglied vom Schaukomitee. Der Platz bei der Latte, wo der beeindruckende Stier mit Nasenring gestanden hatte, war leer. Ganz ähnlich sah es an den anderen Latten aus, welche für die Kuhherren reserviert gewesen waren.

Aus den zufriedenen Gesichtern der Zuschauer war zu schliessen, dass dies kaum jemanden störte. Den Organisatoren schien es gelungen zu sein, mit Betriebscup und Jungzüchtershow einen Ersatz für die schwindende Auffuhr Stiere gefunden zu haben. Ein Ersatz, der sich einer wachsenden Beliebtheit erfreut.

Rangliste
Betriebscup:
1. Rang: Riget Pius, Schänis, 53,5 Punkte;
2. Rang: Kühne Hubert, Goldingen, 53 Punkte;
3. Rang: Seliner Ruedi, Schänis, 53 Punkte
Schöneuterwettbewerb:
Dally-ET OPTIMA von Edwin Schirmer, Goldingen
Zellzahlstar:
Dally-ET REGINA von Edwin Schirmer, Goldingen
Rinderchampion:
1. Rang: Blooming-ET REA, Besitzer Peter Krieg aus Eschenbach

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