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Finnen-Trio: Pizza ausliefern, Punkte einfahren

Nach dem ersten Drittel der Qualifikation liegen die Unihockeyaner der Jona-Uznach Flames punktgleich mit Leader Bülach an der Tabellenspitze der 1. Liga, Gruppe 2. Auch dank drei finnischen Verstärkungsspielern.

Linth-Zeitung
Freitag, 09. November 2018, 10:41 Uhr Jona-Uznach Flames
Backen am Erfolg der Jona-Uznach Flames: Die drei finnischen Verstärkungsspieler Henry Mikael Mattsson, Keni Rautio und Teemu Pulliainen (von links).
Stefan Kleiser

von Stefan Kleiser

«Ich bringe meine offensiven Fähigkeiten ein», meint Henry Mikael Mattsson. Elf Tore und drei letzte Zuspiele, erzielt in acht Partien, weist die Skorerliste der 1. Liga für den Stürmer der Jona-Uznach Flames aus. «Ich bin der offensive Verteidiger», erzählt Teemu Pulliainen, dritter in der teaminternen Torschützenwertung. «Und ich bin der defensive Stürmer», scherzt Keni Rautio, der dritte der Finnen, die heuer das Kader der Flames komplettieren – und dazu beigetragen haben, dass die Equipe nach einem Drittel der Qualifikation punktgleich mit Bülach an der Tabellenspitze steht.

Ein bisschen wie zu Hause

So unterschiedlich sich die drei finnischen Verstärkungsspieler der Flames beschreiben, so verschieden sind sie als Personen. Henry Mikael Mattsson und Teemu Pulliainen geben sich zurückhaltend und wortkarg, Rautio dagegen ist ein extrovertierter Typ, der vieles gesehen hat, Flames-Trainer Andreas Gahlert im Staff assistiert und den jungen Teamkollegen beisteht als Helfer in allen Fragen des Lebens. «Für Henry müssen wir noch eine Freundin suchen», erklärt Rautio etwa – weil der 20-Jährige alleine wohnt.

Keni Rautio ist mit der Freundin ins Linthgebiet gekommen. Auch sie spielt Unihockey, für Laupen in der NLA. Zwölf Jahre ist es her, da war auch Rautio ganz oben aktiv: Bei Uster, mit dem heutigen Trainer der Flames. «Wir haben jedes Jahr darüber geredet, dass ich wieder in die Schweiz komme. Nun hat es geklappt.» Er sei aber kein besonderer Spieler, «ich bin nur speziell, weil ich alt bin», lacht Rautio. 38 ist er, ein Methusalem des Unihockeys. «Der Teamspirit ist gut. Das ist der einzige Grund, warum ich noch Unihockey spiele.» Daneben führt er das eigene Unternehmen mit 65 Mitarbeitern in Helsinki – per Handy und Computer, von hier aus.

«Für Henry müssen wir noch eine Freundin suchen.»
Keni Rautio, Stürmer der Jona-Uznach Flames

«Es ist schön, dass noch andere finnische Spieler da sind», sagt Teemu Pulliainen. «So fühlt es sich ein wenig an wie zu Hause.» Der 26-Jährige ist das dritte Jahr in der Schweiz. 2017 kam er von Ligakonkurrent Nesslau zu den Flames. «Ich musste hier alles lernen», erinnert er sich. Nicht im Sport – aber im Job als Pizzabäcker! Das Schwierigste sei es gewesen, den Teig schön rund zu bekommen, schmunzelt Pulliainen. «Aber nach 100 Pizzen hast du es drauf.» Sportlich läuft es rund: «Wir sind mehr ein Team als letzte Saison». Und Pizza esse er immer noch. «Nicht mehr jeden Tag wie vorher, aber ein bis zwei Mal in der Woche.»

Auch Henry Mikael Mattsson arbeitet in der Eschenbacher Pizzeria «Campione». Er liefert Pizzen aus. Anfangs sei es schwierig gewesen, «wenn du nichts weisst und die Stadt nicht kennst», erinnert er sich. «Und wenn etwas Deutsch ist, verstehe ich gar nichts.» Warum er hier ist? «Keni hat mich gefragt. Jemand muss dich fragen», erklärt Mattsson. Nach einer Knieoperation und eineinhalb Jahren Pause war das nicht selbstverständlich. Hier lerne er Neues: Kochen oder Putzen. «Und als Ausländer bekommst du viel Spielzeit. Spielen ist immer toll. Ich würde auch gerne einmal in einer höheren Liga spielen. Am liebsten mit den Flames.»

Um eine Linie besser

Andreas Gahlert findet seine Finnen super. «Sie sind tolle Persönlichkeiten», schwärmt der Trainer. «Sie werten das Gesamtbild der Mannschaft auf und passen menschlich sehr gut ins Team.» Ein Kim Nilsson sei zwar keiner von ihnen. Aber er wolle auch gar keinen Superstar, von dem alles abhänge. Keni Rautio, Teemu Pulliainen und Henry Mikael Mattsson brächten einen anderen Spielstil mit und würden das Team in der Breite besser machen. «Letztes Jahr hatte ich zwei gute Linien, nun drei», erklärt der Coach. Das verspricht eine erfolgreiche Saison.

 

Nun sind die Beziehungen da
Bis zum Abstieg in die 1. Liga im Jahr 2014 stellten die Jona-Uznach Flames traditionell ein Team in der Nationalliga B. Um konkurrenzfähig zu sein, forderte Trainer Daniel Hardegger nach dem direkten Wiederaufstieg die Verstärkung der Equipe mit einem Ausländer. Doch es klappte nicht, die Mannschaft stieg 2016 wieder ab – und noch immer wird in bei den Flames an der Rückkehr in die zweithöchste Spielklasse gearbeitet. Seit einem Jahr wieder mit Ausländern. «Damals hatten wir die nötigen Beziehungen nicht», erinnert sich Hardegger, heute Chef Leistungssport. Der aktuelle Trainer Andreas Gahlert hat sie, und Stufensportchef Edi Gubser besorgte Jobs. «Von uns selbst bekommen die Spieler nur Almosen», lacht Hardegger. Gesucht waren Stammkräfte, keine Stars. Und gekommen sei mit Keni Rautio auch einer, der das Team führen könne. «Momentan haben wir einen guten Mix von jungen und erfahrenen Spielern. Die ausländischen Verstärkungsspieler bringen eine andere Kultur hinein. Und sie können den Unterschied machen.» Basis sind jedoch die eigenen Spieler. Im 24-köpfigen Kader hätten 14 Unihockeyaner die Nachwuchsabteilung der Flames durchlaufen, so Hardegger. (skl)

 

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