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Näfelser «Jungsenior» muss noch eine Schippe drauf legen

Joel Roos ist Diagonalangreifer und Topscorer von Biogas Volley Näfels. Nach dem Abschluss seines ETH-Studiums entschied er sich für Volleyball. Dass es derzeit dem Team nicht läuft, belastet ihn.

Südostschweiz
Freitag, 09. November 2018, 14:05 Uhr Volleyball
Ein starkes Spiel am Block gehört zu einem guten Diagonalangreifer.
KÖBI HEFTI

von Köbi Hefti

Nach dem Abschluss des Studiums «Robotics, Systems and Control» war für Joel Roos klar, dass er in dieser Saison auf Volleyball setzen würde. Trotzdem arbeitet er als System Engineer mit einem 50-Prozent-Pensum in einem Start-up-Unternehmen. Er und zwei Kollegen entwickeln eine Fitness-Coach-App. Damit soll man auf dem Smartphone den eigenen Personaltrainer erhalten. Die App verfolgt die Übungen mit der Kamera. Mittels Abgleich zwischen Soll und Ist gibt die App oder eben der Personaltrainer direkt Feedback und sagt beispielsweise: «Mach den Rücken gerade, sonst kannst du dich verletzen.» Diese Tätigkeit sei ideal, da er damit seine Passion zum Sport und zur Technik kombinieren könne, meint Roos zu seinem Job, obwohl er dabei nichts verdiene.

Positive Erinnerungen ans Nationalteam

Sein Fokus liegt aber beim Volleyball. «Ich wollte unbedingt wieder spielen, nachdem ich im vergangenen Jahr meistens draussen stand. Als Näfels’ erster Diagonalangreifer bekam ich diese Chance. Ich sehe mich als Spieler, der Feuer aufs Feld bringen und gut mit Druck umgehen kann. Dies möchte ich in diesem Jahr bei Näfels zeigen», begründet Joel Roos seine Wahl für Näfels. Wozu er fähig ist, bewies er im Sommer im Nationalteam. Er war einer der herausragenden Spieler im roten Dress. «Die Zeit mit der Nati bedeutet mir sehr viel. Nach dem Rücktritt von Sébastien Steigmeier stieg ich zum ersten Diagonalangreifer auf. Im Nationalteam schätze ich das Teamgefüge, die Stimmung und die professionelle Umgebung sehr», blickt Roos zurück.

Wie in der Nationalmannschaft soll Joel Roos auch bei Biogas Volley Näfels in die Fussstapfen eines sehr beeindruckenden Vorgängers treten, in jene von Fabian Martinez. Er sei mit dem Selbstvertrauen nach Näfels gekommen diese Rolle zu übernehmen, sagt Roos, ergänzt jedoch, dass er derzeit nicht zufrieden sei mit seinen Leistungen. «Aber noch habe ich das Selbstvertrauen nicht ganz verloren. Ich weiss, dass ich bei meinen Leistungen und der Art, wie ich dem Team helfen kann, noch eine sehr grosse Schippe drauf legen muss», blickt er voraus.

Joel Roos ist im neuen Team von Näfels trotz seiner erst 25 Jahre sozusagen der Näfelser Senior. Gerne hätte er am Anfang etwas mehr Einfluss aufs Team genommen und gezeigt, wie es hier im Glarnerland läuft. Dies habe er jedoch verpasst, sagt er, und so sehe er sich auch heute nicht in einer besonderen Rolle. Wer weiss, vielleicht ist es aber Roos, der trotzdem diese Rolle übernehmen kann, damit sich das Team besser findet, sich die Chemie untereinander weiter verbessert und ein ähnliches Niveau erreicht, welches das Team der vergangenen Saison ausgezeichnet hat.

Die Enttäuschung nach dem missglückten Start mit vier Niederlagen ist beim ganzen Team gross. Vor allem die Schweizer Spieler wirken niedergeschlagen, es gab sogar Tränen. Auch Joel Roos’ Gemütslage war nach den Spielen im Tief. Mit nachdenklicher Miene erklärt er: «Ich habe mich nach der letzten Saison hier angepriesen und wollte das Ding in Näfels reissen. Doch das schaffe ich bisher nicht, und ich bin auf der Suche nach Antworten auf viele Fragen. Ich glaube aber immer noch, dass es klappen wird.»

Geduldige Anhänger

Trotz der fehlenden Erfolge reagieren die Anhänger von Näfels bisher nicht negativ. Dies spüren auch die Spieler. Roos dazu: «Wir hören von den Fans und Sponsoren, dass wir geduldig sein und uns Zeit geben müssen. Wir erhalten gute Unterstützung und wenig Kritik. Das ist ein angenehmes Gefühl.»

Im Heimspiel gegen Uni Bern bietet sich Näfels die nächste Chance auf das lang ersehnte Erfolgserlebnis. Doch die Berner sind im Hoch, schlugen Luzern und Chênois. Was muss nun geschehen, damit Näfels die ersten Punkte holt? «In der Vorbereitung hat man gesehen, dass wir als Team gut spielen können, wenn wir zu Beginn des Satzes gleichauf oder gar vorne sind. Wenn wir aber in Rückstand geraten, folgt oft ein Leistungsabfall. Deshalb ist der Start in die Sätze entscheidend», antwortet Roos. Sehr gespannt darf man auf den Auftritt von Kuba Radomski sein, der während der beiden letzten Saisons bei Näfels spielte und jetzt bei Uni Bern zum Liga-Topscorer avancierte.

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