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Quadroni: «Es geht nicht um Rache, ich will Schaden verhindern»

Er würde alles nochmals gleich machen, sagte Adam Quadroni in Roger Schawinskis Talkshow. Zusammen mit alt Bundesrichter Giusep Nay trat er am Montagabend erstmals in einer Talkshow am Fernsehen auf. Quadroni sprach über seine Verhaftung und über die komplizierten Verstrickungen im Baukartell.

Südostschweiz
Dienstag, 12. Juni 2018, 07:56 Uhr Bündner Baukartell
Adam Quadroni war am Montagabend bei Schawinski zu Gast.
KEYSTONE

Er lege nach wie vor seine Hände ins Feuer für Adam Quadroni, erklärte alt Bundesrichter Giusep Nay gleich zu Beginn der Sendung. Schliesslich sei «das Recht für die Schwachen da». Nay betonte, dass Quadroni entgegen vielfach geäusserter Meinung kein Selbstanzeiger sei. «Adam Quadroni war nicht Teil der Untersuchungen der Weko», sagte er gegenüber Roger Schawinski in dessen Talkshow am Montagabend. Ebenso würde Quadroni und er bis heute nicht wissen, ob eine Untersuchung gegen Quadroni überhaupt eröffnet worden sei. «Die Strafklagen wegen betrügerischen Konkurses liegen seit 2014 auf dem Tisch der Staatsanwaltschaft. Bisher fanden dazu nur Vorabklärungen statt. Eine Akte Quadroni gibt es bislang nicht.»

Quadroni: «Konnte nicht mehr damit leben»

Quadroni selbst sprach zuerst über seine Zeit in der Baubranche. «Man hatte nicht das Gefühl, etwas Schlimmes zu machen», beschrieb er die allgemeine Vorgehensweise der Baumeister in Sachen Preisabsprachen. Er selbst habe immer Schuldgefühle gehabt. «Man konnte den Auftraggebern immerhin etwas Rabatt geben, um die Schuld etwas zu mildern.» Aber schliesslich habe er die ganze Sache aufklären wollen, so Quadroni. «Ich konnte nicht mehr mit diesem Schuldgefühl leben.»

Nachdem er verschiedenen Betroffenen Hinweise auf das Kartell gegeben habe, habe er ein paar Jahre ganz alleine gegen das Kartell gekämpft. «Die Dimensionen des Kartells waren von aussen nicht so schnell erkennbar», sagt er weiter über die grossen Verstrickungen innerhalb der Baubranche.

Aus dem Auto gerissen

Schliesslich beschrieb Quadroni auch den Tag seiner Festnahme. Er sei in seiner Hütte gewesen, als seine Schwester anrief und sagte, dass die Polizei auf ihn warte. Auf dem Weg ins Tal habe die Polizei auf ihn gewartet, ihn durchs offene Fenster geschlagen, ihn schliesslich aus dem Auto gezerrt und mit verbundenen Augen auf den Polizeiposten in Scuol gebracht. «Danach war ich drei Tage in der psychiatrischen Klinik in Chur. Das war schlimmer als der Polizeieinsatz», erzählte Quadroni. Man habe versucht, ihn zu Äusserungen zu bringen, die eine Festnahme gerechtfertigt hätten. «Aber ich war immer ruhig», sagte Quadroni.

Nay ergänzte, dass er und Quadroni noch immer nicht wüssten, von wem die Gefährdungsbeschreibungen über Quadroni ausgingen. «Aber sie stiessen nur auf fruchtbaren Boden, weil Quadroni der Whistleblower war», ist er sich sicher.

Quadroni würde alles nochmals genau gleich machen, sagte er. «Ich könnte nicht anders.» Es sei ihm immer nur darum gegangen, Schaden zu verhindern. «Es geht mir nicht um Rache», betonte er. (sz)

Die ganze Sendung hier zum Nachschauen:

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