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Selbstverständlich ist überhaupt nichts

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Südostschweiz

Spitzensport – für die meisten Athletinnen und Athleten bedeutet dies harte Arbeit, Entbehrungen und eine grosse Portion Leidenschaft. Im Format «Sportlerblog» schreiben Bündner Sporttalente über ihren Alltag.

von Luana Flütsch

Die 23-Jährige aus St. Antönien ist Skirennfahrerin im B-Kader von Swiss Ski. Vergangene Saison debütierte sie im Weltcup. Dies, nachdem sie sich von einer komplizierten Schienbeinverletzung zurückgekämpft hatte. 2018/19 will Flütsch an die starke Vorsaison anknüpfen.

Nach intensiven Wochen auf den Gletschern mit ungefähr 30 Tagen auf Schnee konnte ich erstmals wieder einmal eine Woche zu Hause trainieren und das spätherbstliche Kaiserwetter geniessen. Das ist Balsam für die Seele und gleichzeitig enorm wichtig, um nochmals Energie zu tanken – aber auch, um im Bereich Kondition nochmals Gas zu geben. Wissend, dass es wahrscheinlich die letzte grössere Skipause bis im April gewesen sein wird, gab es noch so einiges zu erledigen. Zum Beispiel den versäumten Schulstoff aufzuarbeiten, denn das hat in letzter Zeit etwas gelitten. Aber wie es nun mal ist: Es warten noch einige Prüfungen zum Nachschreiben.

Wenn man anfangs Juli wieder mit dem Skitraining beginnt, scheint der Saisonstart noch unglaublich weit weg zu sein. Doch die Zeit vergeht wie im Flug – meistens zumindest. Denn es gibt auch Tage und Wochen, die kaum vergehen. Zum Beispiel dann, wenn es nicht so funktioniert, wie man es gerne hätte. Dann dreht der Zeiger irgendwie langsamer. Doch das gehört genauso dazu und da muss man einfach durch.

Instinkt vs. Kopf

Letztes Jahr war ich nach einer schwierigen Zeit unglaublich dankbar für jeden Tag auf dem Schnee. Dieses Jahr, komplett gesund und ohne Schmerzen ist ab und zu alles zu selbstverständlich und ich muss manchmal wieder einen Moment innehalten und beispielsweise das Panorama rund um mich herum geniessen. Denn selbstverständlich ist überhaupt nichts. Doch ich neige dazu, immer noch mehr zu wollen, was sportlich gesehen sowohl gut als auch schlecht sein kann.

Ich bin eine Denkerin durch und durch. Doch nur wenn ich «einfach mache», ohne zu denken, kann ich wirklich schnell skifahren. Das steht im Widerspruch zueinander. Anstatt gegen meine Gedanken anzukämpfen, habe ich jedoch gelernt, sie zu akzeptieren. Meine Freude zum Skifahren und mein «Renninstinkt» ergeben zusammen oft genug eine «schnelle Mischung». Natürlich gibt es aber auch Tage, an denen der Kopf gewinnt.  

Luana Flütsch konnte im Sommer erstmals seit Langem schmerzfrei trainieren. BILD LUANA FLÜTSCH

Mein Saisonstart ist Mitte November geplant, mit Rennen hier in der Schweiz, bevor es nach Norwegen für den Europacup-Start geht. Ich fühle mich wirklich fit. Im konditionellen Bereich konnte noch nie so gut trainieren. Das macht mich extrem glücklich. Ich bin an einem Punkt angekommen, an dem ich auch gut zwei oder drei Tage auf die Physiotherapeutin verzichten kann, was vorher unvorstellbar war. Ehrlich gesagt ist es sogar ein wenig komisch, ohne Schmerzen ein Gletschertraining zu absolvieren. Endlich so viele Läufe zu fahren, wie ich möchte. Im Konditionstraining nicht immer nach Alternativen suchen zu müssen.

Skifahrerisch ging der in den letzten Wochen «eingenistete» Knopf am letzten Tag auf dem Gletscher auch wieder auf. Ich hatte mich ab und zu ein wenig schwergetan, doch wie bereits gesagt gehören auch die skifahrerischen Rätsel dazu.

Das Ziel dieser Saison ist sicherlich, im Europacup nochmals einen Schritt nach vorne zu machen und mich so auch wieder für die grosse Bühne, den Weltcup, zu qualifizieren und mich dort zu beweisen. Ich bin jedenfalls gespannt, welche Herausforderungen diese Saison bringt und freue mich auf die letzte, bevorstehende Trainingsphase, bevor es dann wirklich losgeht.