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Auf Wilhelm Tells Spuren

Die Armbrustschützen Weesen sind ein kleiner Verein, der seit vielen Jahren aktiv an Meisterschaften mitmischt. In diesem Jahr gilt es, den neu errungenen Kategorienplatz zu halten.

Südostschweiz
Dienstag, 05. Juni 2018, 04:30 Uhr Armbrustschützen Weesen
Im Schiessstand: Für einmal posieren einige Vertreter der Armbrustschützen Weesen dort, wo sonst geschossen wird.
BARBARA SCHIRMER

Von Barbara Schirmer

Die Sehne spannen, den Pfeil einlegen, zielen, und schon schwirrt der Pfeil blitzschnell der Scheibe entgegen. Ein Ablauf, der sich im Schiessstand Weesen unzählige Male schon wiederholt hat. Hier treffen sich die örtlichen Armbrustschützen zu ihren regelmässigen Trainings.

Im Moment hat der Club alle Hände voll zu tun. Das Verbandsschiessen findet in Weesen statt. Dann reisen knapp 120 Schützen aus der ganzen Ostschweiz an und messen sich in ihrer Treffsicherheit. Am Mittwoch davor, dem offiziellen Trainingstag der Weesner, erhalten die Vereinsmitglieder, aber auch jene, die an den Wochenenden verhindert sind, die Gelegenheit, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Kopfbewegung beeinflusst Schuss

Im Schiessstand ist es mucksmäuschenstill. Die Schützen knien am Boden. Die Armbrust an die Schulter gepresst – es herrscht höchste Konzentration. Einzig ein dumpfes «dogg» ist hin und wieder zu vernehmen – dann ist ein Pfeil seinem Ziel entgegengeschwirrt. Unklar bis zum Schluss ist für Zuschauer, ob das «dogg» vom Entspannen der Sehne stammt oder vom Aufprall des Pfeils bei der Zielscheibe.

Wer genau hinhöre, könne zwei verschiedene Klänge wahrnehmen, erklärt Jules Fäh, Vorstandsmitglied des Vereins. «Zuerst macht es unmittelbar neben dem Ohr ganz leise ‘tägg’. Ist der Pfeil bei der Scheibe angelangt, erklingt das ‘dogg’. Erst wenn der Schütze beide Klänge gehört hat, darf er den Kopf wieder bewegen.»

Eine Kopfbewegung würde nämlich den Schuss beeinflussen. Fäh gibt zu Bedenken: «Ob man eine 10 oder eine 9,9 schiesst, ergibt einen Punkt Unterschied.» Die Schützen im Stand wissen das längst und halten ihre Armbrust die geforderte Zeit reglos in den Händen. Dann erst kommt Bewegung ins Spiel: Der Schütze spannt erneut die Sehne, legt den Pfeil ein und zielt.

Zurück im Büro werten Jules Fäh und Janine Dürst, die jüngste Schützin der Weesner, die Schusskarten aus. Fäh diktiert, Dürst gibt die Daten in den Computer ein. Kann ein Schuss nicht eindeutige zugeordnet werden, greift Fäh zu einer Messleere und schon ist klar ersichtlich, ob es nun eine 9,9 oder eben nur eine 9,8 ist.

Sieben lizenzierte Mitglieder

Vorstandsmitglied Fäh ist gleichzeitig auch Jungschützenausbildner und somit Janine Dürsts Trainer. Er hat ihr das Schiessen mit der Armbrust von der Pike auf gelehrt und ist mächtig stolz auf seinen Schützling. «Janine war an den Schützenmeisterschaften in Wil die einzige Juniorin, die es in den Final geschafft hat», freut sich Fäh.

Generell ist Nachwuchs bei den Weesner Armbrustschützen sehr erwünscht. Sieben A-Mitglieder zählt der Verein. Heisst: Sieben Mitglieder sind lizenziert und dürfen an den offiziellen Schiessen mitmachen. Aktuell gilt es, den Aufstieg in die 3. Kategorie von letzter Saison zu halten. Dann gibt es noch B-Mitglieder. Die wetteifern «nur» an den internen Anlässen mit. Ende Oktober findet das grosse Absenden statt. Kranzkarten aber auch Naturalpreise warten auf die Schützen.

Keine Waffe – ein Sportgerät

Die Schiessstandtore öffnen sich in Weesen hin und wieder aber auch spasseshalber. Es komme immer wieder vor, dass Events gebucht werden. Sich einmal wie der Wilhelm Tell fühlen, die Schusswaffe von anno dazumal in der Hand halten, ausprobieren, wie das Handhaben von Sehne spannen und Schussabgabe funktioniert – das würden auch andere Vereine gerne einmal testen. Fäh berichtigt: «Auch wenn früher die Armbrust zum Jagen und als Waffe eingesetzt wurde, heute zählt sie offiziell zu den Sportgeräten, da sie nicht dem Waffengesetz obliegt.»

Die Anschaffung einer persönlichen Armbrust sei kostspielig. Darum stellt sie der Verein den Mitgliedern zur Verfügung. Gestandene Schützen würden sich im Laufe ihrer Aktivzeit eine eigene Armbrust anschaffen. Janine Dürst bedient sich noch an der Auswahl des Vereins. «Ich habe aber bereits einen eigenen Schrank», so die Jungschützin. Darin könne sie ihre Ausrüstung verstauen. Irgendwann wird sie vielleicht auch ihre persönliche Armbrust darin aufbewahren. Bis es so weit ist, wird sie noch viele Male die Sehne spannen, den Pfeil einlegen, zielen und zusammen mit ihren Vereinskollegen ganz viele Volltreffer landen – damit der Kategorienplatz erhalten bleibt.

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